Dem Meer so nah

Alte Liebe Cuxhaven - kurz vor dem Abriss

Die „Alte Liebe“ in Cuxhaven – Zwischen lebendiger Geschichte und dem Aufbruch in eine neue Ära

Wenn Sie Ihren Urlaub bei uns im schönen Cuxhaven-Döse verbringen, zieht es Sie ganz automatisch ans Wasser. Der Wind in den Haaren, der Geschmack von Salz auf den Lippen und der weite Blick über die Elbmündung, wo die dicken Pötte aus aller Welt vorbeiziehen – das ist Cuxhaven-Gefühl pur. Und es gibt einen Ort in unserer Stadt, der dieses Gefühl seit Jahrhunderten so intensiv einfängt wie kein zweiter: die Alte Liebe.

Die Alte Liebe im Hafengebiet ist weit mehr als nur eine hölzerne Plattform am Wasser. Sie ist das historische Herzstück Cuxhavens, ein emotionaler Ankerplatz für Einheimische wie Gäste, ein steinerner Zeuge der Seefahrtsgeschichte und der perfekte Logenplatz für Shipspotter. Doch wer heute auf den geschichtsträchtigen Planken steht, blickt nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in eine hochspannende Zukunft. Die Alte Liebe steht vor einer umfassenden Sanierung und Modernisierung.

1. Was ist die Alte Liebe eigentlich? Ein Steckbrief

Bevor wir tief in die Historie eintauchen, lassen Sie uns kurz klären, worüber wir überhaupt sprechen. Die Alte Liebe ist heute eine zweigeschossige Aussichtsplattform aus Holz und Beton, die direkt in die Elbmündung hineinragt. Sie liegt an der Einfahrt zum Cuxhavener Hafen und dient gleichzeitig als Wellenbrecher (Mole).

  • Der Logenplatz der Seefahrt: Die Elbmündung vor Cuxhaven ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Nahezu jedes Schiff, das den Hamburger Hafen ansteuert oder von dort kommt – ob riesige Containerfrachter, elegante Kreuzfahrtschiffe, historische Windjammer oder kleine Krabbenkutter –, muss hier vorbei. Auf der Alten Liebe stehen Sie gefühlt nur eine Armlänge von diesen Meeresgiganten entfernt.

  • Der Schiffsansagedienst: Ein absolutes Highlight, das den Besuch der Alten Liebe so unverwechselbar macht, ist der Schiffsansagedienst Cuxhaven e.V. In den Monaten April bis Oktober werden hier täglich zwischen 10:00 und 19:00 Uhr über Lautsprecher die vorbeifahrenden Schiffe „angesagt“. Sie erfahren live den Namen des Schiffes, seine Nationalität, die Herkunft, das Ziel und oft auch spannende Details zur Tonnage oder der geladenen Fracht. Wenn dazu die Nationalhymne des jeweiligen Heimatlandes des Schiffes erklingt, ist Gänsehaut vorprogrammiert!

2. Die Geschichte der Alten Liebe: Wie alles begann

Um die Bedeutung der Alten Liebe zu verstehen, müssen wir das Rad der Zeit weit zurückdrehen – ins frühe 18. Jahrhundert. Damals gehörte Cuxhaven (bzw. das Amt Ritzebüttel) noch zur Freien und Hansestadt Hamburg. Hamburg hatte ein vitales Interesse daran, die Schifffahrt auf der Elbe zu sichern und seinen Schiffen einen sicheren Schutzhafen bei Sturm oder Eisgang zu bieten.

Das Jahr 1718: Die Geburtsstunde als Bollwerk

Im Jahr 1718 beschlossen die Hamburger Ratsherren, am äußersten Ostende des Ritzebütteler Hafens ein gewaltiges Stack (eine Uferbefestigung bzw. Mole) zu errichten. Die Konstruktion war für die damalige Zeit ein echtes Mammutprojekt: Drei ausgediente Hamburger Kriegsschiffe wurden im Schlick versenkt, mit Tonnen von Steinen, Holzpfählen und Faschinen (Reisigbündeln) ausgefüllt und miteinander verbunden.

Dieses neue Bollwerk erfüllte gleich zwei lebenswichtige Aufgaben:

  1. Es schützte die Hafeneinfahrt vor Versandung und den gefürchteten Strömungen der Elbe.

  2. Es diente den Schiffen als Anleger und den Seeleuten als feste Barriere gegen die raue Nordsee.

Vom Zweckbau zum emotionalen Abschiedsort

Schon bald entwickelte sich die Mole zu einem zentralen Knotenpunkt. Hier legten die ersten regelmäßigen Fährschiffe an. Vor allem im 19. Jahrhundert, als die Auswanderungswellen nach Amerika ihren Höhepunkt erreichten, wurde die Alte Liebe zum Schauplatz herzzerreißender Szenen.

Tausende Menschen betraten hier die Zubringerschiffe, um zu den großen Transatlantiklinern zu gelangen, die auf Reede lagen. Familien klammerten sich ein letztes Mal aneinander, Taschentücher wehten im Wind, Tränen flossen. Die Mole war der allerletzte feste Boden der Heimat, den die Auswanderer berührten, bevor sie in eine ungewisse Zukunft in der „Neuen Welt“ aufbrachen. Auf der anderen Seite war sie der Ort, an dem Fischer und Seefahrer nach monatelanger Fahrt auf den Weltmeeren von ihren Familien sehnsüchtig wieder in die Arme geschlossen wurden.

3. Das Rätsel um den Namen: Warum heißt die „Alte Liebe“ eigentlich so?

Es ist eine Frage, die fast jeder Gast stellt: Warum trägt ein technisches Bauwerk wie eine Hafenmole einen so poetischen, ja fast romantischen Namen? Wenn man den Historikern und den alten Legenden Cuxhavens Glauben schenkt, gibt es dazu drei verschiedene, wunderschöne Theorien. Suchen Sie sich einfach Ihre Lieblingstheorie aus!

Theorie 1: Das tragische Schicksal des Schiffes „Die Alte Liebe“

Die historisch wahrscheinlichste und am besten dokumentierte Version führt uns zurück zu den drei versenkten Schiffen des Jahres 1718. Eines dieser ausgedienten Hamburger Kriegsschiffe, die als Fundament für die Mole dienten, trug angeblich den stolzen Namen „Die Alte Liebe“. Als das Schiff im Schlick versenkt wurde, sagten die Cuxhavener fortan: „Wir gehen zur Alten Liebe“, wenn sie den Anleger besuchten. Der Name des Schiffes ging so auf das gesamte Bauwerk über.

Theorie 2: Ein genialer Hörfehler (Aus „Ol Dorp“ wird „Alte Liebe“)

Die zweite Theorie ist ein wunderbares Beispiel für die sprachliche Entwicklung an der Küste. Bevor die Mole gebaut wurde, befand sich in der Nähe ein alter Pfahlbau oder ein verfallenes Deichstück, das im lokalen plattdeutschen Dialekt als „Min olle Leff“ (meine alte Lippe/Uferkante) oder in Bezug auf ein altes Dorf als „Ol Dorp“ bezeichnet wurde. Die hochdeutschen Beamten aus Hamburg, die das Sagen hatten, verstanden das plattdeutsche Genuschel der einheimischen Fischer falsch, interpretierten es auf Hochdeutsch und machten daraus in den offiziellen Karten kurzerhand die „Alte Liebe“.

Theorie 3: Die Legende von Liebgard und der Seemannstreue

Für die Romantiker unter uns gibt es natürlich auch eine echte Liebesgeschichte. Sie besagt, dass ein junger Cuxhavener Fischer namens Jan schwer verliebt in seine Verlobte Liebgard war. Jedes Mal, wenn Jan mit seinem Kutter auf die gefährliche Nordsee hinausfuhr, stand Liebgard stundenlang am äußersten Ende der Holzmole, winkte ihm mit einem roten Tuch nach und wartete dort Tage später auf seine Rückkehr.

Eines Tages kam ein schrecklicher Herbststurm auf. Jan kehrte nicht zurück. Liebgard verbrachte fortan jeden Tag auf den Planken, blickte aufs Meer und wurde alt, während sie auf ihre große Liebe wartete. Die Cuxhavener, tief berührt von dieser unerschütterlichen Treue, nannten den Ort fortan nur noch „Die Alte Liebe“.

Egal welche Geschichte stimmt – der Name passt perfekt. Wer einmal dort stand und den Sonnenuntergang über der Kugelbake beobachtet hat, verliert ohnehin ein kleines Stück seines Herzens an diesen Ort.

4. Die architektonische Evolution im Wandel der Jahrhunderte

Die Alte Liebe, die wir heute sehen, ist natürlich nicht mehr die Konstruktion aus dem Jahr 1718. Das Holz im Salzwasser, die permanenten Stürme, die gefürchteten Sturmfluten und der winterliche Eisgang der Elbe haben dem Bauwerk über die Jahrhunderte hinweg immer wieder massiv zugesetzt. Die Mole musste mehrfach repariert, verstärkt und komplett neu aufgebaut werden.

  • Der große Umbau 1904/1905: Anfang des 20. Jahrhunderts reichte die alte Holzkonstruktion nicht mehr aus. Der Schiffsverkehr nahm dramatisch zu. Die Mole wurde durch eine modernere, massivere Konstruktion mit einer eisernen Brücke und einer erweiterten Plattform ersetzt.

  • Die Nachkriegszeit und das Jahr 1970: Nach den Zerstörungen und dem Verschleiß des Zweiten Weltkriegs wurde die Alte Liebe in den 1950er und 60er Jahren schrittweise erneuert. Im Jahr 1970 erhielt sie im Wesentlichen ihr heutiges Gesicht: Eine zweigeschossige Aussichtsplattform, die auf mächtigen Betonpfeilern und einer soliden Unterkonstruktion ruht. Das Oberdeck bietet den perfekten Rundumblick, während das Unterdeck bei Schietwetter ein wenig Schutz vor Wind und Regen bietet.

5. Das Hier und Jetzt: Ein Sanierungsfall mit Ansage

Wenn Sie in den letzten Monaten auf der Alten Liebe spazieren gegangen sind, haben Sie es vielleicht schon bemerkt: Der Zahn der Zeit nagt unerbittlich an unserer alten Dame. Das raue Nordseeklima, das salzhaltige Wasser der Elbe, die Gezeiten (Ebbe und Flut), die täglich zweimal an den Pfeilern zerren, und nicht zuletzt die schweren Sturmfluten der vergangenen Winter haben deutliche Spuren hinterlassen.

Warum die Sanierung dringend notwendig ist

Die tragenden Holzelemente sind teilweise marode, der Beton der Pfeiler zeigt Risse und Auswaschungen, und auch die Barrierefreiheit lässt aktuell stark zu wünschen übrig. Für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Gehbehinderung ist der Aufstieg auf das Oberdeck derzeit eine echte Herausforderung.

Die Statiker und Ingenieure haben es amtlich gemacht: Um die Alte Liebe als Cuxhavens Wahrzeichen und als sichere Besucherplattform für die nächsten Jahrzehnte zu erhalten, reicht eine kleine Schönheitsreparatur nicht mehr aus. Ein umfassender, tiefgreifender Sanierungs- und Modernisierungsplan musste her. Und genau dieser steht nun kurz vor der Umsetzung!

6. Die Zukunft der Alten Liebe: Das geplante Modernisierungskonzept

Jetzt wird es besonders spannend für Ihren nächsten Urlaub in der Deichauszeit. Nach emotionalen Diskussionen in der Stadt und einer großen Bürgerpetition steht fest: Die Alte Liebe wird ihr Gesicht verändern. Da die maroden Betonbauteile ersetzt werden müssen und das historische Oberdeck aus statischen Gründen nicht eins zu eins wieder aufgebaut werden kann, setzt der Hafenbetreiber NPorts auf ein neues Konzept: 

 

  • Die gesamte Plattform wird um etwa einen Meter angehoben, um fit für zukünftige Sturmfluten zu sein. 
  • Statt des alten Oberdecks entsteht eine großzügige, offene Ebene, die komplett stufenlos und barrierefrei erreichbar sein wird. 
  • Damit jeder den Ausblick genießen kann, wird die Hauptplattform ohne Barrieren zugänglich gemacht. 
  • Und für das echte Cuxhaven-Gefühl bei „Schietwetter“ sorgt ein neu geplanter, rund 20 Meter langer Wetterschutz aus Holz.

7. Der geplante Bauablauf: Was bedeutet das für Ihren Urlaub?

Eine so umfassende Sanierung direkt im fließenden Gewässer der Elbe ist eine logistische Meisterleistung. Bestimmt fragen Sie sich, ob Sie die Alte Liebe während Ihres Aufenthalts in der Ferienwohnung Deichauszeit überhaupt besuchen können.

Bauen im Rhythmus der Gezeiten

Die Bauarbeiten können nicht einfach wie auf einer normalen Baustelle an Land durchgeführt werden. Viele Arbeiten an den Fundamenten und Pfeilern sind streng vom Rhythmus von Ebbe und Flut abhängig und können oft nur bei Niedrigwasser stattfinden. Zudem müssen die Wintermonate mit ihren schweren Sturmfluten bei der Terminplanung penibel berücksichtigt werden.

Die Bauzeit wird etwa 1 Jahr betragen und beginnt im Oktober 2026.

8. Die perfekte Kombination: Ihr Ausflug von Döse zur Alten Liebe

Ein Besuch der Alten Liebe lässt sich wunderbar in einen Urlaubstag integrieren, wenn Sie in unserer Ferienwohnung in Döse wohnen. Hier ist unser Vorschlag für einen perfekten Cuxhaven-Tag:

  1. Der Vormittagsspaziergang: Starten Sie direkt an der Deichauszeit in Döse. Packen Sie sich eine windfeste Jacke ein und spazieren Sie immer am Deich entlang in Richtung Osten (Richtung Grimmershörnbucht).

  2. Die Grimmershörnbucht: Genießen Sie den Weg durch diese grüne Bucht. Hier können Sie im Sommer den Strandkorb-Urlaubern zusehen oder im Winter den rauen Wind genießen. Sie haben die ganze Zeit das Wasser und die Schiffe im Blick.

  3. Ankunft an der Alten Liebe: Nach etwa 3 bis 4 Kilometern gemütlichem Fußmarsch (oder einer kurzen Fahrradtour) erreichen Sie die Alte Liebe. Suchen Sie sich einen schönen Platz, lauschen Sie dem Schiffsansagedienst und lassen Sie sich von der Größe der Containerriesen beeindrucken.

  4. Kulinarische Stärkung: Direkt an der Alten Liebe und im angrenzenden Fischereihafen gibt es fantastische Möglichkeiten für einen Mittagssnack. Ein frisches Krabben- oder Matjesbrötchen direkt auf die Hand gehört einfach dazu!

  5. Der Rückweg: Zurück nach Döse können Sie entweder wieder am Wasser entlangschlendern oder Sie nehmen die Jan-Cux-Strandbahn, die Sie gemütlich und mit maritimem Charme zurückbringt.

9. Fazit: Die Alte Liebe bleibt das Herz von Cuxhaven

Manchmal tut Veränderung weh, besonders wenn es sich um einen Ort handelt, der so tief in den Herzen der Menschen verwurzelt ist wie die Alte Liebe. Doch in diesem Fall dürfen wir uns alle auf die Modernisierung freuen. Die geplante Neugestaltung ist keine Zerstörung des Alten, sondern eine Liebeserklärung an die Zukunft dieses historischen Ortes.

Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, wird die Alte Liebe sicherer, schöner, komfortabler und vor allem für wirklich jeden Menschen uneingeschränkt erlebbar sein. Sie wird auch in den kommenden einhundert Jahren der Ort sein, an dem wir stehen, aufs Meer blicken, den Schiffen hinterherwinken und den Alltag einfach mal vergessen können.

Wir freuen uns schon jetzt darauf, wenn Sie von Ihrem Ausflug zur Alten Liebe zurück in Ihre Ferienwohnung Deichauszeit kommen, die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassen und sagen: „Hach, war das schön!“